rheingucker

Meinungsblog zu Politik, Gesellschaft und Wirtschaft


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Professionell Unzufrieden

Es gibt sehr viele Tage, an denen ich wütend werde, über das, was Politiker verzapfen. Sonst hätte ich auch kaum diesen Blog angefangen. Jedoch halte ich mich gerade in einem südamerikanischen Land (Kolumbien) in einer Zeit kurz vor den Wahlen auf, und so wird auch durch die Diskussion hier die Diskussion in Deutschland sehr relativiert. Der Eindruck, den ich schon 2007 bei einem längeren Besuch im südlichen Afrika hatte und der sich durch häufigere Besuche in Südamerika festigte, ist der: Deutschland hat die Probleme, die ein Land hat, wenn es alle wesentliche Probleme gelöst hat.

Dass ein Politiker mit seinen Doktortitel es nicht so genau nimmt, wäre hier vielleicht ein Augenzwinkern wert, aber ganz bestimmt kein Rücktrittsgrund. Hier geht es darum, welcher Politiker mit welchem Massaker etwas zu tun hatte, mit welcher kriminellen Vereinigung oder ob er möglicherweise ein Liberaler ist.

Ich finde es gut und gerecht, dass Guttenberg & Co zurücktreten mussten. Aber es ist ein Anspruch, denen nur die wenigsten Länder gerecht werden können, weil die politisch engagierten Einwohner besseres zu tun haben als sich bei Guttenplag und ähnliches einzubringen. Diese bloggen und schreiben hier gegen Mord, Drogenhandel und Korruption und riskieren ihr Leben dabei. Und trotzdem habe ich das Gefühl, dass es mit dem Land bergauf geht und dass die kolumbianische Mentalität eine der stärksten auf dem Kontinent ist.

Die Frage meiner Schwiegermutter in Spe, ob unsere Politiker ehrlich sind, war so nicht einfach zu beantworten. Ich sagte letztendlich, dass wir genauso schlecht über Politiker denken, wie die Kolumbianer, aber dass die Politiker in Deutschland einfach nicht die Chance haben, so unehrlich wie die kolumbianischen „Volks“-Vertreter zu sein. Wenn ich mich wieder über sie aufrege, probier ich mich daran zu erinnern.

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