rheingucker

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THC, Colorado und der Sinn für Humor

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Heute geht es darum, mal etwas Peinliches zuzugeben. Nämlich dass das eigene Misstrauen einen blind für Humor machen kann, insbesondere für Satire. Aber es ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie Einstellung und begleitende Informationen die Wahrnehmung und Rezeption von neuen Informationen steuern.

Es geht um folgenden Artikel eine bisher mir (bisher) unbekannten Quelle:
http://dailycurrant.com/2014/01/02/marijuana-overdoses-kill-37-in-colorado-on-first-day-of-legalization/

Ich sah es als unkommentierten Eintrag auf der Facebook-Pinnwand einer Freundin. Es war am Neujahrsabend und ich hatte gerade einen Bericht über den reißenden Absatz in den gerade eröffneten Verkaufsstellen in Colorado gesehen, die am 1.1.14 legalisiert wurden. Als ehemaliger Sozialpädagoge, der sich Ende der 90er eingehend mit dem Arbeitsbereich Drogenmissbrauch beschäftigt hat, erlaubte ich mir immer noch eine differenzierte Meinung zu dem Thema. Die spielt heute jedoch eine untergeordnete Rolle, und deswegen gehe ich hier nicht auf Sinn und Unsinn von Legalisierungen ein.

Was wichtig ist: Ich hatte noch im Hinterkopf, dass THC (der Wirkstoff bei Cannabis-Produkten) in letaler (tödlicher) Dosis kaum konsumiert werden  kann (Aber natürlich alles andere als harmlos ist, insbesondere in Kombination mit anderen Mitteln oder beim Autofahren). Also war ich sehr skeptisch eingestellt gegenüber diesem Artikel. Meine Hoax-Antennen waren geweckt und ich vermutete eine politisch motivierte Desinformation. Also begann ich die Quellen zu checken. Und wurde schnell fündig. Denn die erwähnte Quelle, die Rockey Mountains News, waren schon 2009 eingestellt worden. Bingo! Ich war stolz wie Oscar und verfasste einen entsprechenden Kommentar zu dem Post. Dann wollte ich noch mal wissen, was der zitierende Blog noch so alles verfasst hatte. Dazu wollte ich auf den Blogtitel „The Daily Current“ klicken, um zur Übersicht zu gelangen. Als der Mauszeiger auf den Titel ging erschien der Alt-Eintrag zur Grafik: „The Global Satirical Newpaper of Record“. Ich spürte, wie meine deutschen Gene vor Scharm erröteten. Voll in die Falle getappt.

Was war passiert? Ich hatte einfach kein passendes Framing, um an Humor zu denken und schon die Artikelüberschrift und mich selbst viel zu ernst genommen. Und ich wusste nicht, dass die Bekannte auf Satire-Blogs steht. Hätte Sie einen Smilie zum Link kommentiert oder ich etwas mehr Sinn für Sarkasmus im Englischen gehabt, wäre mir wohl früher aufgefallen, dass der Arzt, der am meisten zitiert wird, Dr. Shepard heißt. *hust*
Außerdem ist klar zu erkennen, dass ich bestimmte Kräfte für fähig halte eine bewusste Desinformationskampange  zu starten.

Also freuen wir uns, dass die Amis weniger sterblich sind als zuerst vermutet und dies wohl vor allem wegen einer guten Dosis Humor. Ich werde probieren, mir ein Stück Selbstironie davon abzuschneiden und dieses gut zu inhalieren. Und mein Englisch weiter zu verbessern …

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